Naziaufmarsch in Salzwedel durch demokratische Proteste verhindert

Friedliche Blockaden stoppen Naziaufmarsch nach knapp 600m
Proteste erfolgreich trotz versuchten Übergriffen von Nazis auf friedliche Sitzblockierer

Pressemitteilung des Bündnisses „Stop! Keinen Meter“

Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und gewaltfreien Blockaden ist es einer breiten Protestbewegung in Salzwedel gestern gelungen, ein vorzeitiges Ende des Aufmarschs von etwa 300 Nazis herbeizuführen. Gewaltbereite Neonazis aus dem Kameradschaftsspektrum hatten mit Hilfe der NPD zu einer „Jahresabschlussdemonstration“ nach Salzwedel mobilisiert. Unter dem Motto „Stop! Keinen Meter“ hatte daraufhin ein breites Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Gewerbetreibenden sowie andere Organisationen und Einzelpersonen zu demokratischen Protesten durch Veranstaltungen und gewaltfreie Blockaden aufgerufen. Man dürfe nicht tatenlos zusehen, wie Nazis demokratische Rechte instrumentalisieren, um in ihrem Schutz die Abschaffung allgemeiner Grund- und Freiheitsrechte herbeizuführen, hieß es im Aufruf des Bündnisses.

Während des gesamten Tages fanden verschiedene gut besuchten Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet statt, darunter eine öffentliche Ratssitzung, eine Kundgebung des DGB, ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließender Lesung und Informationsveranstaltungen der am Lokalen Aktionsplan beteiligten Demokratie- und Kulturprojekte.

Gleich zu Beginn des Naziaufmarschs gelang es dann einer bunten Menge von rund 400 Menschen, die zentrale Kreuzung am Bahnhof zu besetzen. Bei Sambarhythmen und heißen Getränken brachten sie ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, die friedliche Blockade aufrecht zu erhalten, so daß die Nazis auf eine andere Route ausweichen mussten. Doch auch auf dieser Route kam es wiederholt zu kleineren Sitzblockaden. Als eine Sitzblockaden vor der Lessing-Schule immer weiter anwuchs noch während die Polizei mit der Räumung begann, und sich an der folgenden Kreuzung bereits eine weitere Blockade bildete, wurde der Nazi-Aufmarsch abgebrochen. „Die vielfältigen Veranstaltungen und Proteste haben den Nazis gestern deutlich gezeigt, daß sie in Salzwedel nicht erwünscht sind“, sagte ein Sprecher des Bündnisses. Insgesamt hatten sich gut 600 Menschen an den Protesten und Veranstaltungen beteiligt.

VERSUCHTE ÜBERGRIFFE VON NAZIS AUF FRIEDLICHE SITZBLOCKIERER
Zuvor hatten die Nazis wiederholt versucht, gewaltsam gegen friedliche Gegendemonstranten vorzugehen. Als sich im Kleinen Stegel etwa 40 Personen zu einer Sitzblockade zusammenfanden, kam es zu einem Gewaltausbruch der Nazis: Dutzende der Rechten durchbrachen die Polizeiabsperrung und überrannten die Sitzblockade, wobei einige der demokratischen Gegendemonstranten auch von Neonazis angegriffen wurden. Hier war die Polizei nicht mehr Herr der Lage: zahlreiche Nazis lieferten sich ein Handgemenge mit der Polizei, während der vorausstürmende Teil bis zum Ende der Straße lief, um dort auf weitere Gegendemonstranten und Beobachter loszugehen. Auch hier war die Polizei überfordert und es dauerte, bis sie den braunen Mob wieder unter Kontrolle hatte. Danach blieb die Stimmung der Nazis aggressiv: Immer wieder versuchten sie, die Polizei beiseite zu drücken, es wurden Naziparolen skandiert, die Polizei mit Feuerwerkskörpern angegriffen und am Rand stehende Menschen bedroht.

Sprecher des Bündnisses „Stop! Keinen Meter“ kritisierten dann auch Teile des Polizeieinsatzes. Während die Polizei bei der großen Blockade der Kreuzung der Situation angemessen deeskalativ gehandelt habe, seien anscheinend unerfahrene Polizeieinheiten auf der Karl-Marx-Straße zunächst mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen die friedlich Protestierende vorgegangen. Auch habe die Polizei den Naziaufmarsch offenkundig mit zu wenig Einsatzkräften begleitet, obwohl er u.a. von polizeibekannten Gewalttätern organisiert wurde und die Nazi-Kameradschaften für ihre hohe Gewaltbereitschaft bekannt sind. Aus diesem Grund sei die Polizei teilweise nicht in der Lage gewesen, die ausdrücklich friedlichen demokratischen Proteste vor Übergriffsversuchen aus der rechten Veranstaltung zu schützen oder die Gewalttäter festzunehmen. „Es ist völlig unverständlich, dass der Naziaufmarsch nach diesen Gewaltausbrüchen nicht durch die Polizei abgebrochen wurde, sondern erst aufgrund der Vielzahl friedlicher Blockaden zum Stillstand kam“ resümierte ein Sprecher des Bündnisses.

Dennoch wertete das Bündnis den Verlauf des Tages insgesamt als großen Erfolg. „Dass so viele Menschen zu den Veranstaltungen in der Stadt erschienen sind, um ein Zeichen gegen Nazis zu setzen und gemeinsam demokratische Kultur zu pflegen ist ebenso ein großer Erfolg wie die zahlreichen friedlichen Blockaden, die dazu führten, daß der Aufmarsch nach 600 Metern beendet wurde. Es zeigt, dass die demokratische Öffentlichkeit politischen Gewaltideologien nicht schutzlos ausgeliefert ist. Und es zeigt, dass demokratisches Engagement vor allem gemeinsam, öffentlich und auf Straßen und Plätzen stattfinden muss, wenn wir unseren Alltag selbst mitgestalten wollen.“

Veranstaltungsorte

Für den 27.12. wurden eine Vielzahl öffentlicher Kundgebungen und Veranstaltungen in der Salzwedeler Innenstadt angemeldet, um den Nazis die Möglichkeit zu nehmen, durch die Stadt zu marschieren.

Diese Veranstaltungen werden in jedem Fall stattfinden und sind durch das Demonstrationsrecht geschützt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, müssen Ihnen die Einsatzkräfte der Polizei in jedem Fall Zugang gewähren.

D.h., wenn Sie durch die Polizei gefragt werden, wo Sie hinmöchten, können Sie die u.g. Veranstaltungsorte angeben und müssen durchgelassen werden.

Sollte dies wider Erwarten nicht möglich sein, bitten wir Sie, sich direkt mit der Einsatzleitung der entsprechenden Polizeieinheit vor Ort in Verbindung zu setzen, um Ihr Recht durch zu setzen.

Sollte es zu weiteren Komplikationen kommen, bitten wir Sie das Infotelefon (0174-8682240) darüber kurz zu informieren.

Veranstaltungsorte:

  1. Hanseat: ab 11 Uhr politische Veranstaltungen (Altperverstraße)
  2. Kulturhausvorplatz: ab 12 Uhr DGB Veranstaltung zum Thema „Mindestlohn“ (Vor dem Neuperver Tor)
  3. Marktplatz: 11.30 Uhr öffentliche Stadtratsitzung
  4. Katharinenkirche Vorplatz: 13.30 Ökumenischer Gottesdienst, Konzert und Lesung bis 18 Uhr (Straße vor dem Lüchower Tor/ An der Katharinenkirche)
  5. Neuperver Tor: in Absprache mit Werbegemeinschaft werden dort Tranparent und Plakate aufgehängt (Neuperverstraße)
  6. Parkplatz 1, Schillerstr.: Infostände des Lokalen Aktionsplans (LAP) mit den Projekten: Fakir, Salad Bowl, Demokratieprojekt der Jeetzeschule. Landrat will dort sprechen.
  7. In der Lorenzkirche wird ein Gospel-Chor auftreten

Hier ein Lageplan der angemeldeten Veranstaltung für Ihre Orientierung (Anklicken öffnet eine größere Ansicht, die Sie herunterladen können).

Lageplan der Veranstaltungen gegen Rechts

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Sie können mithelfen, möglichst viele Menschen in Salzwedel und in der umliegenden Gegend über die geplanten Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch zu informieren, indem Sie die hier angebotenen Materialien herunterladen, ausdrucken, kopieren und verteilen.

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Blockadeaufruf

STOP! KEINEN METER!

Die Nazi-Kameradschaft “Freie Nationalisten Altmark West” und die NPD haben für den 27. Dezember in diesem Jahr erneut eine “Jahresabschlußdemonstration” in Salzwedel angemeldet. Zum wiederholten mal wollen am Jahresende Faschisten aus verschiedenen Bundesländern durch unsere Stadt marschieren, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Wir werden nicht tatenlos zusehen, sondern dem Naziaufmarsch mit vielfältigen friedlichen Blockaden den Weg versperren.

WO RECHT ZU UNRECHT WIRD …

Der Faschismus hat nicht nur historisch demokratische Rechte instrumentalisiert, um in ihrem Schutz die Abschaffung allgemeiner Grund- und Freiheitsrechte herbeizuführen. Neonazis geben sich als “nationale Demokraten” aus, während sie einen Führerstaat ohne Mit- und Selbstbestimmungsrechte errichten wollen. Sie fordern Toleranz für ihre Ideologie und Organisationen, um ungehindert die Verfolgung Andersdenkender betreiben zu können.

Ein Blick auf die alltäglich gewordene faschistische Gewalt zeigt, daß es sich hierbei keineswegs um Gefahren einer fernen Zukunft handelt. Während Nazis sich in der Öffentlichkeit oft bemühen, einen biederen Eindruck zu erwecken, verfolgen sie auf der Straße zugleich eine Strategie des Terrors gegen all jene Menschen, die nicht in ihr engstirniges Weltbild passen. Fast täglich kommt es zu neuen Angriffen auf Menschen, deren Erscheinung, Meinung oder Privatleben den Nazis nicht passt. Auch in der Altmark haben die Nazis auf diese Weise bereits begonnen, in einzelnen Orten und Stadtteilen Angstzonen zu errichten, die von Menschen, die nicht der faschistischen Norm entsprechen, aus Furcht vor Übergriffen gemieden werden. Es handelt sich nicht um Einzeltäter, sondern um eine bewußte Strategie der Einschüchterung und Vertreibung: Sachsen-Anhalt steht seit mehreren Jahren an der Spitze der bundesweiten Statistik rechter Gewalttaten (im Verhältnis zur EinwohnerInnenzahl).

… WIRD WIDERSTAND ZUR PFLICHT

Wir sind der Meinung: Wer Toleranz ernst nimmt, darf Intoleranz nicht hinnehmen. Die Verbreitung menschenverachtender Ideologien ist ein gesellschaftliches Problem, dessen Bekämpfung wir nicht dem Staat überlassen können, da es sich nur innerhalb der Gesellschaft lösen läßt.

Deshalb werden wir den Aufmarsch der Neonazis am 27.12. mit vielfältigen, bunten und gewaltfreien Blockaden einkreisen und ihnen den Weg versperren. Wir orientieren uns dabei an den verschiedenen erfolgreichen Aktionen, die gezeigt haben, daß der Verbreitung faschistischer Propaganda und Gewalt wirksam begegnet werden kann, wenn viele Menschen sich gemeinsam und entschlossen zu friedlichen Blockaden zusammenfinden.

Wir sind überzeugt, daß eine Kultur der Vielfalt, Selbstbestimmung, gegenseitigen Hilfe und Zivilcourage den wieder erstarkenden Faschismus zurückdrängen kann, wenn wir mit vielen zusammenkommen und gemeinsam handeln. Wir sind entschlossen, den Naziaufmarsch mit gewaltlosen Blockaden zu verhindern und rufen alle dazu auf, die Faschismus, Gewaltherrschaft und Gleichschaltung ablehnen. Am 27.12. gemeinsam mit uns auf die Straße zu gehen ist ein demokratisches Grundrecht.

Aktion Musik / local heroes e.V., Margarete Albers, Stefan Althoff, attac-Gruppe Wendland, AWO e.V. OV Salzwedel, Klaus Baer (Stadtrat SPD), Steffi Barisch, Anette Becker, Tommy Berger, Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion – KURVE Wustrow e.V., Hans-Christian Beutel, Anke Böhlert, Matthias Böhlert, Yvonne Bönsch, Christine Börner, Christian Boulanger, Anne Brünnette, Stefan Buchenau, Renate Burmeister (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Salzwedel), Jutta v.d. Bussche, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., Judith Christner, Sabine Danicke (Bürgermeisterin Salzwedel), Achim Dehne, Empty Guns (Band), Evangelischer Kirchenkreis Salzwedel, Evangelischer Kirchenkreis Stendal, Dr. Dirk Frenzel, Ute Frenzel, Frisco Concerts, Thomas Fölsch, Gemeindekirchenrat des Kirchspiels Altensalzwedel, Uta Helene Götz (Malerin), Grünland (Naturwaren Salzwedel), Gabriele Gruner (Ratsfrau Die Linke), HANSEAT e.V., Elke Haß, Günter Haß (Pfarrer i. R.), Eva-Maria Heussler, Kurt Herzog (MdL Die Linke), Joachim Hoffmann (ev. Pfarrer), Holle Huygen-Thurn, Dorothea Hübl, Nicolaus Ilgner, Jan und Annelotte Jacobs, Erika Jennerjahn-Meyer, Katholische Gemeinde Salzwedel, Ulrich Kalmbach, Martin Kaul, Bettina Keller (Zimmerei und Strohballenbau), Michael Kleemann (Superintendent), Andreas Kosmalla (Erlebnishaus Altmark), Ralf Knapp, Ute Kornell-Schwarz, Matthias Köster, Hans-Jörg Krause (MdL Die Linke), Heike Krieshammer, Volker Krieshammer, Dorothee Kuhl, Kulturbahnhof Kalbe (Milde) e.V., Kultur.Gut e.V. Osterwohle, Arno Külz, René Lerch, Jeannette Erdmann-Lerch, Die Linke Stadtverband Salzwedel, Die Linke Kreisverband Wendland, A. Marquardt Restaurierungen, Cornelia Marquis – Filzefanz, Mathis Meinecke, Susann Meinecke, Michael Meinecke, Andreas Metzner (Pfarrer), Heike Meyer, Miteinander e.V., Andreas Müller (Pfarrer),Anja Naujoks, Hanne-Lore Nehrke, Luise und Rolf Oberst, Ökodorf Sieben Linden, Margarete Pauschert, Karl-Heinz Reck, Jürgen Reinke, Waltraud Reinke, relativLAUT (Band), Leony Renk, Mirko Rieck, Hans-Christof Rösner (Pfarrer, Jeetze), Kerstin Rudek, St. Katharinen-Gemeinde Salzwedel, Andreas Schaaff – BücherWinkeL, Frieder Schietzelt (Hofkäserei, Hilmsen), Bernd Schulz (ev. Pfarrer, Kusey), Martin Schulz (Stadtrat Die Grünen), Gabriela Schütz (Sozialpädagogin), Martin Spangenberg, Sabine Spangenberg, Ulrike Spangenberg, Jan Stehn, Franziska Steinhoff, Tagungshaus Laase/Elbe, Uta Thiel, Hans-Jochen Tschiche, Gerhard Wacha, Marian Waldhelm, Kirsten Weißbach, WiderSetzen, Antje Wilde, Angelika Wilke (Nudelwerkstatt, Hilmsen), Robert Wogatzke, Youth Power e.V., Zimmerei Gnoth

(Stand: 26.12.2008, 21:30 Uhr)